Die Sache mit dem Osterwasser
Am Ostermorgen, früh um vier,
da schlich ich heimlich aus der Tür.
Ich hielt die Gusch und ging hinaus,
noch halb verschlafen aus dem Haus
„Hol Osterwasser! Aber still!
Sonst wirkt es nicht, so wie man will!“
Meine Oma hat es mich gelehrt.
Sei still, dann bleibt die Schönheit unversehrt.
Das Wasser süß und rein,
wollt ich tragen sorgsam heim.
Kein Tropfen sollt daneben gehn,
der Krug ganz voll zu Hause stehn.
Doch es wurde nichts daraus,
dafür sorgte Nachbar Klaus.
Er wollte mit mir scherzen mich erschrecken,
das sollte meine Stimme wecken.
Aus dem Gebüsch sprang er hervor,
ein Loch voll Matsch genau davor.
Er sah es nicht und sprang hinein,
stand im Dreck mit beiden Bein.
Ich musste feixen, musste prusten,
bekam vom Lachen auch noch Husten.
"Na toll" rief ich und "Danke sehr"
Das Wasser hilft nun nimmermehr.
Gemeinsam gingen wir nach Haus.
Ich hielt die Hand von meinem Klaus.
Wir sind vereint, das Osterwasser hat's geschafft.
Es hat wohl doch eine geheimnisvolle Kraft.
Die Beschaffung des Osterwassers ist allerdings heikel und alles andere als einfach. Die erste Bedingung ist, dass es aus einem Fluss/Quelle geschöpft werden muss, der aus dem Sonnenaufgang (also aus Osten heran) fließt. Als zweite Bedingung gilt es, dass Wasser nachts vom Ostersamstag auf den Ostersonntag zu schöpfen, denn es muss bis Sonnenaufgang zu Hause sein. Es ist Aufgabe der Mädchen, das Osterwasser zu holen. Und deswegen ist besonders die dritte Bedingung nicht einfach. Das Wasser muss schweigend in einen Tonkrug geschöpft werden. Die jungen Burschen versuchen natürlich, die Mädchen zum Reden oder Lachen zu bringen. Wenn dies geschieht, dann verliert das Osterwasser all seine Wirkung und wird zum einfachen Plapperwasser. Um es den jungen Burschen so schwer wie möglich zu machen, ziehen die Mädchen meist heimlich los. Schaffen sie es, dass Wasser nach allen Regeln der Kunst zu holen und sich damit zu waschen, dann ist die Gesundheit und Schönheit für ein Jahr gerettet.
So wollen wir uns gemeinsam an der Spreequelle am Kottmar treffen um diesen Brauch zu pflegen. Dort ist die erste Bedingung erfüllt. Das Wasser kommt aus Richtung Osten. Die zweite Bedingung erklärt die ungewöhnliche Tageszeit. Um die Erfüllung der dritten Bedingung sicher zu stellen, gehen die Männer natürlich mit. Sonst wird's ja doch Plapperwasser.
Schnittchen und Kaffee bringen wir mit. Ein Schöpf(Trinkgefäß) muss jeder selbst mitbringen.
Bitte respektiert die Muggel, welche tatsächlich zum Osterwasser holen zur Quelle pilgern und sprecht sie nicht an. Wir wollen ja keine Spielverderber sein.
PS: am 05. April 2026 ist 06:28Uhr Sonnenaufgang
Wegpunkte
P0BK4P1 - Platz für Euer CachemobilN 51° 00.303 E 014° 38.956